Donnerstag, 4. Dezember 2008
Das kriegen wir schon hin
„Keine Angst, das kriegen wir schon hin. Heute bin ich nur ein wenig müde aber morgen geht es mir besser. Du wirst es schon sehen.“
Mit genau diesem Satz und ihrem bezaubernden Lächeln dazu hat es Tanja bis zuletzt immer wieder geschafft, mich mit ihrem Optimismus anzustecken. Diese strahlenden Augen und dieser Brustton der Überzeugung- da konnte einfach nichts schiefgehen. Mit ihrer Aura schaffte sie es, uns die zuletzt schon deutliche Zeichnung durch die Krankheit einfach übersehen zu lassen. Da waren immer nur leuchtende Augen und eine fröhliche Stimme.
Und wirklich, sie hat es hingekriegt. Anders, als ich, alle anderen und sie selber wohl auch, es uns gewünscht haben.
Es geht ihr jetzt besser, weil es schlechter schon nicht mehr gehen konnte.
Und wir haben es hingekriegt, vor dem Unvermeidlichen keine Angst zu haben, sondern jede verbleibende Sekunde zu genießen.
Deshalb kann ich auch sicher sein, daß es mir morgen besser gehen wird, auch wenn ich heute manchmal etwas müde bin.
Ich kriege das hin !
Sonntag, 16. November 2008
happy? Birthday
16. November 2008
Da ist er nun also, mein erster Geburtstag nach der neuen Zeitrechnung. Die Bedeutung dieses Tages für mich hat sich im Leben mehrmals verändert. In der Kindheit war er ein riesiges Ereignis und in der Nacht davor konnte ich vor Aufregung meist kaum schlafen. In späteren Jahren war es ein Tag, der einfach Anlass für eine Fete mit Freunden bot. Die waren zwar immer toll- aber sie hätten dieses Anlasses nicht unbedingt bedurft. Wir hätten auch einen anderen gefunden.
Erst durch Dich hat mein Geburtstag wieder an Bedeutung gewonnen. Es fing immer damit an, dass Du, die Langschläfer- und Schlafgenießerin in Person, Stunden vor dem offiziellen Wecksignal leise aus dem Bett krabbeltest- in der Meinung, dass ich noch schliefe und nichts mitbekäme. Für mich dauerte es dann immer eine Ewigkeit, bis der Radiowecker ansprang und ich endlich aufstehen durfte. Du hattest in dieser Zeit einen liebevollen Geburtstagstisch gezaubert- mit Blumen, Kerzen, Sekt und freutest Dich diebisch, dass es Dir wieder gelungen war, das von mir unbemerkt hinbekommen zu haben. Jahr um Jahr das gleiche, schöne Ritual. Deine Geschenke haben mich dann aber wirklich immer fast vom Hocker gehauen. Sie waren mit soviel Bedacht und Liebe ausgewählt und immer etwas Besonderes. Vor einigen Jahren z.B. die Karten für die AIDS-Gala. Du hattest alles lange vorher ausgeheckt- wie Ihr mich ins Auto bekommen und widerstandslos zu einem unbekannten Ziel befördern könnt, dass dann zunächst ein ziemlich heruntergekommenes Hotel in Berlin war (Rudi hatte die Kosten optimiert). Letztendlich fanden wir uns im feinen Zwirn im Opernhaus wieder, wo sich ein hochkarätiges Publikum von Loriot durch einen gigantischen Konzertabend moderieren ließ. Anschließend mischten wir uns unter die Creme de la Creme und waren für ein paar Stunden Teil einer Glamourwelt, die man sonst nur vom Fernsehen kennt. Hier warst Du in Deinem Element meine liebe „Dame vonne Welt“. Dem Starvisagisten, der an diesem Abend der Hautevolee kostenlos die Lidstriche nachzog und die Nasen puderte war anzusehen, wie er ins Grübeln kam, als Du ihm auf die Frage hin, wer Du seiest, ohne mit der Wimper zu zucken antwortetest „Fürstin Tatjana von Stapelburg“. An diesem Abend und in diesen Kreisen lag das durchaus im Bereich des Möglichen und er gab sich alle Mühe, seine Unkenntnis von der Existenz einer solchen Fürstin zu überspielen. Es war jedenfalls ein beeindruckender und schöner Abend in dieser fremden Welt und ich möchte mich noch nachträglich dafür entschuldigen, dass es so lange gedauert hat, bis ich diesen Abend genießen konnte, weil ich bis dahin viel zu viel Energie in den Gedanken verwandte, dass wir uns das alles eigentlich gar nicht leisten können. Es war so klug von Dir, uns solche unvergesslichen Momente im Leben zu bereiten und ich weiß nicht, ob ich es in dem Maße geschafft habe, Dich meinen Dank und meine Bewunderung für Dich spüren zu lassen, wie ich es gern getan hätte. Aber eigentlich bin ich mir sicher, dass Du empfunden hast, wofür mir die Worte fehlten.
Heute ist Sonntag und die Uhr zeigt gerade 6:00.
Um 13:00 treffe ich mich mit meinen Geburtstagsgästen, unseren Freunden, am Blochhauer. Wir wollen durch unsere herrliche Landschaft, die Du auch so gemocht hast, zu Dir wandern, um Dich wenigstens auf diese Art bei uns zu haben. Anschließend fahren wir zu uns nach Hause und werden Geburtstag feiern. Ich weiß, dass ich Deine Festtafeln nicht toppen kann, aber ich habe mir alle Mühe gegeben und ich hoffe, dass es ein schöner Abend wird.
Also bis nachher nenangladnaja. Leider brauch ich Dich nun nicht mehr zur Eile antreiben, damit wir pünktlich sind.
Dienstag, 28. Oktober 2008
MEWZ
Am Wochenende wurden die Uhren umgestellt. Nun haben wir wieder Winterzeit. Nach Feierabend wird es jetzt schnell dunkel und die Temperaturen sind merklich zurückgegangen. Es ist wie in jedem Jahr.
Langsam muß ich die Zimmerpflanzen ins Haus holen, die wir im Frühjahr immer ins Freie stellen.
Die Kirschbäume sehen noch hübsch aus mit ihrem bunten Laub, obwohl ich schon etliches davon weggeharkt habe.
Die Regentonnen habe ich diesmal rechtzeitig entleert, damit sie nicht wieder kaputtfrieren.
Jetzt muß ich nur noch an die Winterreifen denken und Frostschutzmittel in die Scheibenwaschanlage füllen- alles wie immer.
Und doch nicht wie immer! Und alles ganz anders!
Die Zimmerpflanzen werden es in diesem Jahr besser haben. Das Wohnzimmer wird nicht mehr geheizt, weil sich niemand darin aufhält- für Pflanzen ideal.
Die Blätter dieses Jahres waren die Letzten, über deren zartes Grün wir uns im Frühjahr gemeinsam gefreut haben.
Zudem ist ein neuer Baum hinzugekommen, um dessen Laub ich mich nun kümmern muß. Es ist eine Eiche, die ihre Äste über einen Erdhügel breitet.
Der Fuhrpark, den ich zu betreuen habe, ist kleiner geworden.
Ich habe jetzt weniger zu tun.
Mittwoch, 9. Juli 2008
Dienstag, 8. Juli 2008
Sie hat jeden Raum mit Sonne geflutet ...
Sonntag, 29. Juni 2008
Aktuelles vom Hartholz
Da ich weiß, daß man verunsichert wird, wenn sich auf dieser Seite lange nichts tut, will ich einen kurzen Lagebericht geben:
Ob und wie sich Tanjas Zustand verändert hat, kann ich eigentlich kaum einschätzen. Nachdem sie in den letzten Wochen immer wieder über starke Rückenschmerzen klagte, haben wir in Absprache mit den Ärzten die Morphiumgaben seit Freitag wieder erhöht. Nun ist sie (bis auf kurze Einzelfälle) wenigstens schmerzfrei. Der Preis dafür ist ständige Müdigkeit, was ihr eigentlich ziemlich gegen den Strich geht. Doch Schmerzen wollen wir nicht mehr riskieren.
Gleichzeitig ist sie wieder um mehr Selbstständigkeit bemüht. Hat sie es in der letzten Zeit sehr genossen, sich von uns bemuttern zu lassen, so will sie jetzt viele Dinge wieder allein erledigen. Oftmals reicht jedoch die Kraft nicht aus und zu ihrem Verdruß muß sie dann um Hilfe rufen.
Verzweifelt versucht sie, durch körperliche Betätigung den Kräfteverfall aufzuhalten. Dabei treiben ihr kleinere Rundgänge durch den Garten dicke Schweißtropfen auf die Stirn und der Aufstieg zum Schlafzimmer im Obergeschoß gestaltet sich zur sportlichen Höchstleistung.
Sie hätte es so sehr verdient, wieder gesund zu werden...
Dienstag, 17. Juni 2008
Wasserstandsmeldung
Nun ist es schon zwei Wochen her, daß wir das Krankenhaus verlassen haben und langsam haben wir etwas Routine in die häuslichen Abläufe gebracht. Man darf sich darunter allerdings nicht vorstellen, daß die Tage exakt nach Fahrplan ablaufen. Dazu ist Tanjas Zustand zu großen Schwankungen unterworfen.
Im Wesentlichen hat sie sich (meiner Meinung nach) stabilisiert. Sie hat an Gewicht zugenommen und eine gesündere Gesichtsfarbe. Problematisch ist nach wie vor die Flüssigkeitsabfuhr durch die Magensonde, da diese ständig verstopft. Eine Blutuntersuchung in der letzten Woche hat zu einer größeren Transfusion geführt. Es war uns vorher schon aufgefallen, daß sie ohne ersichtlichen Grund immer kraftloser wurde. Das ist nun wieder in Ordnung.
Ein weiteres Novum sind Flüssigkeitsstaus in den Beinen. Vielleicht waren die anfänglichen Elektrolytmengen nach ihrer Trockenphase letztendlich doch etwas hoch. Die Ärzte haben sie jetzt etwas reduziert und zusätzlich ein Entwässerungsmittel verordnet. Stundenlange Fußmassagen durch ihre Mutter haben auch hier die Lage schon etwas entschärft.
Ungeachtet all dieser Widrigkeiten des Alltags schafft es Tanja immer noch, ihrer Lage viel Positives abzugewinnen und freut sich, mit uns zusammen zuhause sein zu können. Die zahlreichen Besuche von Verwandten, Freunden und Kollegen haben sie zwar hin und wieder etwas erschöpft, aber sie haben ihr auch gut getan und sie hat sie genossen.
Wir sind von der großen Anteilnahme und Hilfsbereitschaft sehr berührt und möchten uns ganz herzlich dafür bedanken. Es hilft uns sehr, mit der Situation fertigzuwerden.