Montag, 4. Mai 2009

Was läuft ?

Wer hin und wieder hier vorbeisurft, könnte meinen, hier laufe garnichts mehr.
Leider sprechen die Tatsachen für sich. Dieser virtuellen Baustelle von Tanjas Denkmal war jetzt lange Zeit nicht anzusehen, daß die Erinnerung an sie noch kein Stück verblaßt ist.
Hinter den Kulissen ist die Gestaltung des gegenständlichen Denkmals, nämlich des Grabsteins, jedoch ein beträchtliches Stück vorangekommen.
Ein hochglanzpoliertes schwarzes Monstrum aus chinesischer Massenproduktion stand von vornherein außer Frage. Für Tanja wollte ich ein Grabmal, daß irgendwie ihre Einzigartigkeit zum Ausdruck bringt. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, Bildbände wälzte, im Internet recherchierte, auf Friedhöfen und in Parks nach Plastiken Ausschau hielt, desto mehr Ideen sind mir gekommen. Aber Phantasie und Realisierung sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Zusammen mit unserem Freund Frank inspizierten wir die Lagerbestände verschiedener Steinmetzbetriebe, um mit dem passenden Stein vor Augen mit der Detailplanung zu beginnen.
Dabei stießen wir auf eine von außen unscheinbare, aber von innen hightechmäßig ausgestattete Steinbearbeitungsfirma, deren Geschäftsführer auf sehr kreative Art und Weise auf unsere Wünsche eingehen und sogar noch Lösungen anbieten konnte, von denen wir bislang noch nichteinmal träumten. Mehr will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Ich bin aber sehr optimistisch, daß Tanja das Denkmal bekommt, das sie verdient und daß es pünktlich zu Ihrem ersten Jahrestag an seinem Platz stehen wird.
Ein kurzer Blick hinter den Vorhang sei an dieser Stelle allerdings erlaubt. Das ist die aktuelle Ausgangsposition:

Dienstag, 24. Februar 2009

Rückblende

Beim "Gang" ins Archiv bin ich über diesen Eintrag gestolpert, den ich vor genau einem Jahr gemacht habe. War da die Welt noch in Ordnung ? In unseren Wünschen und Hoffnungen schon. Die Realität konnten wir ( vielleicht aber auch nur ich ?) noch ziemlich gut verdrängen.
In einem anderen Blog, den ich aktuell verfolge bin ich wieder auf ein Zitat gestoßen, das auch für uns zum Motto geworden war:
"Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben!"
Das ist nach wie vor richtig und so haben wir es auch gehalten. Und doch hätte das Leben ruhig mehr Tagen haben dürfen. Wir hätten auch sie noch mit sehr viel Leben füllen können. Es tröstet, ehrlich gesagt, nur schwach, daß wir die gemeinsame Zeit gut genutzt haben. Sie ist vorbei.
Trotzdem bleibt das Motto richtig und ich tue mein Bestes.
Otto hat es da etwas schwerer. Das Sofa steht im Wohnzimmer, das er nur noch in Ausnahmefällen betreten darf, denn er hat diese und andere Fragen schon mehrmals "richtig" beantwortet. Mit Tanja wurden ihm auch mindestens 80% Zuwendung genommen. So hatten sich die Verhältnisse eingestellt und meine Zeit ist nicht mehr geworden- im Gegenteil.
Unsere "Männer-WG" hat aber auch Vorteile. Ich kann immer auf die Katze verweisen, wenn unangemeldeter Besuch eine oberflächlich gesaugte Wohnung vorfindet.
Vielleicht sollte ich aber doch versuchen, auch den Tagen des alten Knaben mehr Leben zu spendieren? Wer weiß, wie viele es noch sind und dann begrüßt mich abends niemand mehr. Wenn das auch immer mit der lautstarken Forderung nach Futter verbunden ist- er ist eine lebendige Seele und ein Stück Erinnerung an Tage mit sehr viel Leben.

Sonntag, 8. Februar 2009

Katzen haben auch nur ein Leben

Heute ist es genau sieben Monate her, daß wir Tanja gehen lassen mußten. Die Zeit läuft scheinbar schneller. Zuerst habe ich die Tage gezählt, dann die Wochen und nun staune ich, daß schon wieder ein Monat vorüber ist.Beim Nachdenken über diese Zeit habe ich mich an der Zahl sieben festgebissen. Es hat mich nicht sehr verblüfft, daß mich Google mit Suchergebnissen zu diesem Thema überhäufte. Ich war weder der erste noch der siebte, für den diese Zahl eine Sonderstellung unter ihren Kolleginnen einnimmt. Wieso waren es ausgerechnet sieben Zwerge und nicht nur sechs Geislein? Weshalb müssen wir über sieben Brücken gehen und warum können wir nicht auch auf Wolke 12 schweben, wenn es uns besonders gut geht?Sieben Tage dauerte die Erschaffung der Welt, Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut und wer feinen Sand will, muß ebenfalls sieben.Nach endlosem Klicken von Link zu Link muß ich jedoch ernüchtert feststellen, dem Mythos nicht näher gekommen zu sein. Quer durch alle Zeiten, Kulturen und Religionen hat man die Sonderstellung dieser Zahl erkannt und versucht, ihr Geheimnis zu lüften. Mehr als eine große Faktensammlung ist dabei allerdings nicht herausgekommen. Die Idee, daß Katzen sieben Leben hätten fand ich sehr interessant, da Tanja Löwe war. Aber wann und wo hatte sie die anderen sechs verloren? Da wurde wohl einfach nur das Ergebnis eines Experimentes von New Yorker Tierärzten falsch interpretiert, die nachgewiesen hatten, daß Katzen eine größere Überlebenschance haben, wenn man sie aus dem Fenster des siebenten Stockes eines Hochhauses wirft, als aus einer niedrigeren Etage.Auch an das angeblich verflixte siebente Jahr habe ich keine ausdrücklich schlechte Erinnerung. Es bleibt die Erkenntnis, zu diesem Thema nichts Neues beisteuern zu können. Die Hoffnung, daß nach dem verflixten siebenten Monat alles besser werden könnte, begrabe ich hiermit. Es wird so lange dauern, wie es braucht.

Sonntag, 11. Januar 2009

bei Cäsar

Tanja hatte im November 2005 ihre zweite OP. Diese Tatsache an sich war ja schon ziemlich schlimm, wurde für sie jedoch noch von der Befürchtung übertroffen, daß wir aus diesem Grunde nicht im Dezember zum Cäsarkonzert nach Leipzig fahren könnten, für das wir schon lange die Karten hatten. Wer sie kannte, den wird es nicht weiter verwundern, daß wir am 17.12.2005 pünktlich zu Konzertbeginn in Leipzig im Anker standen. Mit der ihr eigenen Zähigkeit und Willenskraft hatte sie sich für den Abend fit gemacht und niemand hätte ihr angesehen, daß sie noch vor ein paar Tagen eine schwere Bauch-OP über sich ergehenlassen mußte.
Jedenfalls hatten sich die Mühen gelohnt. Cäsar spielte genial und schaffte es wie immer, auch seine Mitspieler zur Hochform anzutreiben.

Ja, so war das am 17.12.2005 im "Anker" in Leipzig





Am 7. Januar 2009 fand nun an gleicher Stelle wieder ein Konzert statt. Es erklangen viele der Lieder, die vor drei Jahren hier auch schon gespielt wurden.
Es war das Konzert zu Cäsars 60. Geburtstag, daß seine Freunde nun (fast) ohne ihn bestreiten mußten, da er selbst ebenfalls im letzten Herbst einem Krebsleiden erlag. Es war ein außergewöhnlich bewegender Abend mit großartigen Musikern, die alle ihr Bestes gaben. Und Cäsar spielte mit ihnen auf einer Videowand über der Bühne. Die Illusion war perfekt.
Es wurde aber auch klar, daß da wirklich eine Lücke bleibt. Auch wenn es die selben Lieder waren- einen Cäsar kann man nicht ersetzen. Man kann ihn stellenweise imitieren, aber es wird nie wie das Original sein. Cäsar wird in seinen Liedern weiterleben, auch wenn sie nun anders klingen.
Für Sascha und mich hat an diesem Abend natürlich nicht nur Cäsar gefehlt. Auch unsere Lieder klingen nun anders seitdem aus unserem Trio ein Duo geworden ist. Genausowenig wie Cäsar, kann man auch Tanja nicht ersetzen. Wir können nur unser Leben neu interpretieren.


Abschied heisst doch auch weitergehn.
Tränen hat die Trauer, aber auch das Glück...

(aus "Wandersmann", Gruppe Renft")





Mittwoch, 7. Januar 2009

С Рождеством Христовым – Frohe Weinachten !

Keine Angst, ich habe den Jahreswechsel nicht verschlafen. Nachdem hier solange Stillschweigen geherrscht hat, hätte man das allerdings durchaus vermuten können. Eigentlich wollte ich schon längst, wie alle wichtigen Onlinemedien, einen Jahresrückblick hier veröffentlichen.
Es sollte ein ganz besonders geistreicher (und auch ein wenig rührseliger) Beitrag werden.
Ich wollte darauf verweisen, daß in den veröffentlichten Aufzählungen der im Jahr 2008 verstorbenen Persönlichkeiten mindestens ein Name immer fehlt.
Nun, ich will die letzte Chance dazu heute nutzen, denn heute ist Weihnacht – russisch-orthodoxe Weihnacht und damit liege ich noch im Zeitplan.
Allerdings wird dieser Eintrag nun doch etwas nüchterner als ursprünglich beabsichtigt, denn was wäre aus der Chronik meines letzten Jahres hier noch von allgemeinem Interesse?
Den dramatischen Verlauf der ersten sieben Monate kann sich jeder noch einmal in Erinnerung rufen, in dem er einfach nach unten scrollt. Dazu gibt es nichts Neues zu schreiben.
Daß wir an der Situation noch mächtig zu kauen habe, ist sicher normal und auch nicht sehr spannend.
Vielleicht interessiert es jemanden, wie wir die Feiertage verbracht haben? Weihnachten und Jahreswechsel sind Ereignisse vor denen sich bestimmt jeder, der sie erstmals nach dem Verlust eines geliebten Menschen allein verbringen muß, mächtig fürchtet. Wir auch! („Wir“ das sind Sascha und ich).
Aber auch hierfür gilt: „Es wird nichts so heiß gegessen,…“.
Man ist ja gar nicht allein, jedenfalls nicht die meisten Menschen- und wir schon gar nicht.
Die Freunde und Verwandten, die uns in der schwersten Zeit begleitet haben, ließen uns auch diesmal nicht im Stich. Wir hatten soviel nette Einladungen, daß wir unsere Wohnung im Dezember über Wochen hätten vermieten können. Aber wir wollten die Familientraditionen fortsetzen und den Heiligabend begehen wie immer- nur eben jetzt zu zweit. Klar, so richtig toll war das nicht, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Tanjas Rolle als Koch hat Sascha übernommen. Und wir haben es fast geschafft, alle Probleme genauso kreativ zu lösen wie in jenem Jahr, als wir den Ladenschluß verpennt haben und die Weihnachtseinkäufe an der Tankstelle machen mußten.
Das mit dem Verschlafen hat schon mal wunderbar geklappt. Allerdings entschied sich Sascha nach dem Download des Rezeptes für „Rehbraten nach fränkischer Art“ (keine Ahnung wieso ausgerechnet nach fränkischer Art) am frühen Spätnachmittag dafür, lieber unwesentliche Komponenten wegzulassen bzw. mit vorhandenen Zutaten zu substituieren, als an den Tankstellen danach zu suchen. Scheinbar war er beim Durchlesen des Rezeptes so von der Anweisung fasziniert, das Tier regelmäßig mit Rotwein zu übergießen, daß er den Rest des Textes einfach übersehen hat. Ein paar Flaschen später war das Fleisch dann auch wirklich butterweich. Offenbar hatte er erwartet, daß sich der Wein letztendlich irgendwie von selbst in Soße verwandeln würde, der man dann bloß noch mit Soßenbinder die nötige Konsistenz verleihen müßte. Keine Ahnung, was die Franken sonst für Soße essen. Bei uns gab es eine Art angedickten Glühwein mit leichtem Reh(?)-geschmack.
In der Kombination mit Rotkohl und Klößen war es trotz allem ein ausgesprochen leckerer Festtagsbraten.
Ganz wie in den Jahren zuvor haben wir die Bescherung zelebriert. Spätestens dabei haben wir gemerkt, daß uns von den Klößen wohl etwas im Halse steckengeblieben sein mußte.
Danach sind wir allerdings vom Standardprogramm abgewichen. Normalerweise hat sich Sascha sonst immer nach dem „offiziellen Teil“ verabschiedet, um mit seinen Freunden weiterzufeiern. Diesmal klingelte es bei uns. Gerd und Heike hatten vorsorglich beschlossen, uns ein wenig aufzumuntern. Das gelang ihnen auch bis gegen 2.00 Uhr ganz gut.
Den ersten Feiertag wollten wir dazu benutzen, für Tanja eine Kerze in der russisch-orthodoxen Kirche in Gifhorn anzuzünden. In Gifhorn war es sehr schön. Die russisch-orthodoxe Kirche reagierte auf unser christliches Weihnachtsfest allerdings mit Geschlossenheit. Weihnachten ist schließlich erst heute.
In meinem Bericht bin ich jetzt am Mittag des ersten Feiertages angekommen. Seid froh, daß ich auf einen kompletten Jahresrückblick verzichte. Ich springe noch ganz kurz zu Silvester und dann seid Ihr erlöst.
Silvester beginnt obligatorisch mit einem Silvesterlauf. Das war auch diesmal so. Früher habe ich mich dann immer beeilt, nach Hause zu kommen- diesmal nicht. Ich habe, im Gegenteil, zunächst bei Freunden, die nahe am Start- und Zielgebiet wohnen, fremdgeduscht und mich dann auch noch zum Mittagessen einladen lassen. Ihr merkt- schon wieder keine Zeit zu individueller Trübsal.
Um am Silvesterabend nicht unangemessen fröhlich feiern zu müssen, bin ich mit Freunden am Abend zu einer Brockenbesteigung aufgebrochen. Der Weg dorthin führte am Friedhof vorbei und da Tanja keine Böller mochte, haben wir ihr wenigstens ein paar Kerzen angezündet. (Früher galt es nach Kindergeburtstagen immer als Mutprobe auf den dunklen Friedhof zu gehen. Durch Tanja hat dieser Ort jetzt seinen Schrecken verloren.)
Der anschließende Aufstieg war sehr beeindruckend. Es war eine rabenschwarze, klare Nacht mit einem wunderschönen Sternenhimmel- und von irgendwo dort oben hat Tanja garantiert zu uns heruntergeschaut.
Mit einem schönen Blick auf die Feuerwerke in den Orten am Fuße des Brockens und einem Glas Sekt haben wir das Jahr verabschiedet, daß uns soviel Kummer, aber gleichzeitig auch soviel Wärme und Optimismus beschert hat.
Nun ist das neue Jahr schon eine Woche alt. Ich habe diese Woche dazu benutzt, die Renovierung unseres Schlafzimmers vorzubereiten. Für mich ist das der erste wirkliche Schritt in ein neues Leben, das ich nun ohne Tanja leben muß. Und es wird trotzdem schön sein. Etwas anderes hätte sie nicht gewollt.
С Рождеством Христовым

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Das kriegen wir schon hin

04. Dezember 2008

„Keine Angst, das kriegen wir schon hin. Heute bin ich nur ein wenig müde aber morgen geht es mir besser. Du wirst es schon sehen.“
Mit genau diesem Satz und ihrem bezaubernden Lächeln dazu hat es Tanja bis zuletzt immer wieder geschafft, mich mit ihrem Optimismus anzustecken. Diese strahlenden Augen und dieser Brustton der Überzeugung- da konnte einfach nichts schiefgehen. Mit ihrer Aura schaffte sie es, uns die zuletzt schon deutliche Zeichnung durch die Krankheit einfach übersehen zu lassen. Da waren immer nur leuchtende Augen und eine fröhliche Stimme.
Und wirklich, sie hat es hingekriegt. Anders, als ich, alle anderen und sie selber wohl auch, es uns gewünscht haben.
Es geht ihr jetzt besser, weil es schlechter schon nicht mehr gehen konnte.
Und wir haben es hingekriegt, vor dem Unvermeidlichen keine Angst zu haben, sondern jede verbleibende Sekunde zu genießen.
Deshalb kann ich auch sicher sein, daß es mir morgen besser gehen wird, auch wenn ich heute manchmal etwas müde bin.
Ich kriege das hin !

Sonntag, 16. November 2008

happy? Birthday

16. November 2008


Da ist er nun also, mein erster Geburtstag nach der neuen Zeitrechnung. Die Bedeutung dieses Tages für mich hat sich im Leben mehrmals verändert. In der Kindheit war er ein riesiges Ereignis und in der Nacht davor konnte ich vor Aufregung meist kaum schlafen. In späteren Jahren war es ein Tag, der einfach Anlass für eine Fete mit Freunden bot. Die waren zwar immer toll- aber sie hätten dieses Anlasses nicht unbedingt bedurft. Wir hätten auch einen anderen gefunden.
Erst durch Dich hat mein Geburtstag wieder an Bedeutung gewonnen. Es fing immer damit an, dass Du, die Langschläfer- und Schlafgenießerin in Person, Stunden vor dem offiziellen Wecksignal leise aus dem Bett krabbeltest- in der Meinung, dass ich noch schliefe und nichts mitbekäme. Für mich dauerte es dann immer eine Ewigkeit, bis der Radiowecker ansprang und ich endlich aufstehen durfte. Du hattest in dieser Zeit einen liebevollen Geburtstagstisch gezaubert- mit Blumen, Kerzen, Sekt und freutest Dich diebisch, dass es Dir wieder gelungen war, das von mir unbemerkt hinbekommen zu haben. Jahr um Jahr das gleiche, schöne Ritual. Deine Geschenke haben mich dann aber wirklich immer fast vom Hocker gehauen. Sie waren mit soviel Bedacht und Liebe ausgewählt und immer etwas Besonderes. Vor einigen Jahren z.B. die Karten für die AIDS-Gala. Du hattest alles lange vorher ausgeheckt- wie Ihr mich ins Auto bekommen und widerstandslos zu einem unbekannten Ziel befördern könnt, dass dann zunächst ein ziemlich heruntergekommenes Hotel in Berlin war (Rudi hatte die Kosten optimiert). Letztendlich fanden wir uns im feinen Zwirn im Opernhaus wieder, wo sich ein hochkarätiges Publikum von Loriot durch einen gigantischen Konzertabend moderieren ließ. Anschließend mischten wir uns unter die Creme de la Creme und waren für ein paar Stunden Teil einer Glamourwelt, die man sonst nur vom Fernsehen kennt. Hier warst Du in Deinem Element meine liebe „Dame vonne Welt“. Dem Starvisagisten, der an diesem Abend der Hautevolee kostenlos die Lidstriche nachzog und die Nasen puderte war anzusehen, wie er ins Grübeln kam, als Du ihm auf die Frage hin, wer Du seiest, ohne mit der Wimper zu zucken antwortetest „Fürstin Tatjana von Stapelburg“. An diesem Abend und in diesen Kreisen lag das durchaus im Bereich des Möglichen und er gab sich alle Mühe, seine Unkenntnis von der Existenz einer solchen Fürstin zu überspielen. Es war jedenfalls ein beeindruckender und schöner Abend in dieser fremden Welt und ich möchte mich noch nachträglich dafür entschuldigen, dass es so lange gedauert hat, bis ich diesen Abend genießen konnte, weil ich bis dahin viel zu viel Energie in den Gedanken verwandte, dass wir uns das alles eigentlich gar nicht leisten können. Es war so klug von Dir, uns solche unvergesslichen Momente im Leben zu bereiten und ich weiß nicht, ob ich es in dem Maße geschafft habe, Dich meinen Dank und meine Bewunderung für Dich spüren zu lassen, wie ich es gern getan hätte. Aber eigentlich bin ich mir sicher, dass Du empfunden hast, wofür mir die Worte fehlten.

Heute ist Sonntag und die Uhr zeigt gerade 6:00.

Um 13:00 treffe ich mich mit meinen Geburtstagsgästen, unseren Freunden, am Blochhauer. Wir wollen durch unsere herrliche Landschaft, die Du auch so gemocht hast, zu Dir wandern, um Dich wenigstens auf diese Art bei uns zu haben. Anschließend fahren wir zu uns nach Hause und werden Geburtstag feiern. Ich weiß, dass ich Deine Festtafeln nicht toppen kann, aber ich habe mir alle Mühe gegeben und ich hoffe, dass es ein schöner Abend wird.

Also bis nachher nenangladnaja. Leider brauch ich Dich nun nicht mehr zur Eile antreiben, damit wir pünktlich sind.